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Die Historische Kommission der ARD informiert
No. 4 vom 08/06/2021

Editorial

Angefangen hat er als Zeitungsschreiber und Feuilleton-Assistent bei der Tageszeitung Die Welt. Seine erste Aufgabe war es, den täglich erscheinenden Fortsetzungsroman zu redigieren und ein Kapitel druckfertig zu machen. Den Roman, den Siegfried Lenz (1926-2014) zu bearbeiten hatte, stammte von Graham Greene – und der junge Journalist dachte sich, das könne er auch mal versuchen und fing an, neben der Redaktionsarbeit seinen ersten Roman Es waren Habichte in der Luft zu schreiben: der Beginn einer großen schriftstellerischen Karriere. Das war 1951.Bereits fünf Jahre früher hatte Lenz begonnen, kleinere Funkbeiträge für den Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR) zu verfassen – in der Sendereihe „Wir erinnern an …“. Den öffentlichen-rechtlichen Sendern und ganz besonders dem NDR blieb Lenz über sechzig Jahre inniglich verbunden. Bei seinem Tod hinterließ er ein imponierendes Werk, dessen Weltauflage bei dreißig Millionen Büchern lag, darunter der Weltbestseller „Deutschstunde“.  
Am Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut wird aktuell ein Forschungsprojekt durchgeführt, das sich der Verbindung dieses Schriftstellers mit dem Rundfunk widmet. Wir haben Dr. Hans-Ulrich Wagner, den Leiter des Forschungsprojekts gebeten, einen Zwischenbericht zu geben.
Wenn Radioleute über ihre Arbeit sprechen, bedienen sie sich oft einer Sprache, die für Außenstehende ein Buch mit sieben Siegeln ist. Unter dergleichen Radio-Jargon fällt auch der Begriff eines „Bobby“, der eigentlich ein „Wickelkern“ ist. Doch was zum Teufel ist ein „Wickelkern“? In unserer Kolumne mit Rundfunk- und Fernsehgeschichte(n) geht der Radiomann Gerald Sammet auf vergnügliche Spurensuche.

Jörg-Dieter Kogel

Siegfried Lenz: Der Schriftsteller als Medienarbeiter

Dr. Hans-Ulrich Wagner Leibniz-Institut für Medienforschung I Hans Bredow-InstitutLeiter des Kompetenzbereichs Mediengeschichte

Dr. Hans-Ulrich Wagner
www.hans-bredow-institut.de/de/mitarbeiter/hans-ulrich-wagner

In den Archiven der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten liegen „Schätze“, die es zu heben gilt. So oder so ähnlich ist es immer wieder zu lesen. Aber im Fall des Siegfried-Lenz-Projektes wurde das sehr schnell sehr konkret. Weitgehend unbeachtete Tondokumente, völlig unbekannte Sendemanuskripte, ein mitunter reicher Fundus an redaktioneller Korrespondenz – all dies trat bei den intensiven Recherchen zu Tage. Die Erkundungen in Datenbanken, in Schriftgut-, Schall- und Fernseharchiven gelten Siegfried Lenz (1926-2014) und seiner umfangreichen rundliterarischen Arbeit. Sie zeigen bereits jetzt: Der bekannte Erzähler und Romancier war ein „Medienarbeiter“ par excellence.
Dass der in Ostpreußen geborene und seit seinen Studienjahren in der Nachkriegszeit eng mit Hamburg und Norddeutschland verbundene Schriftsteller auch für den Rundfunk schrieb, ist seit längerem bekannt. Aber das Ausmaß dieser Arbeit im und mit dem Rundfunk sowie die Bandbreite dessen, was hier entstand, ist mehr als überraschend. Manche „Archivfunde“ sind regelrechte Sensationen.

Korrespondenzen Siegfried Lenz, Historisches Archiv des SWR, Baden-Baden

„Siegfried Lenz: Der Schriftsteller als Medienarbeiter“ ist das Forschungsprojekt überschrieben, das ich als Senior Researcher und als Leiter des Kompetenzbereichs „Mediengeschichte“ am Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut durchführe. Der Norddeutsche Rundfunk förderte den Start der Studie. Unterstützung erfährt sie von der Siegfried-Lenz-Stiftung und der Historischen Kommission der ARD sowie – das muss an dieser Stelle sofort mitgenannt werden – von vielen Archivar*innen und Dokumentar*innen in der ARD. Sie helfen in großartiger Weise, die Herausforderungen von Archivrecherchen in Zeiten der Pandemie anzugehen.

Das Projekt verfolgt zwei Ziele. Zum einen wird eine wissenschaftliche Studie vorgelegt, die anhand dieser rundfunkliterarischen Arbeit von Siegfried Lenz die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im bundesrepublikanischen Literaturbetrieb aufzeigt. Dieser Rundfunk ist, wie oft beschworen, ein Wirtschafts- und ein Kulturfaktor. Beides lässt sich anhand des Medienarbeiters Siegfried Lenz exemplarisch aufzeigen. Dabei möchte die Untersuchung auch Modell sein und anregen, noch intensiver über Schriftsteller*innen und Medien, Autor*innen und Rundfunk in der Geschichte und in der aktuellen Situation wissenschaftlich zu arbeiten.

Das zweite Ziel ist, dieses rundfunkliterarische Oeuvre von Siegfried Lenz erstmals in seiner Fülle und Vielfalt der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Verlag Hoffmann und Campe, der „Hausverlag“ von Siegfried Lenz, bietet diese Möglichkeit. Seit 2017 betreuen die Gesamt-Herausgeber*innen Günter Berg, Heinrich Detering und Maren Ermisch die große kommentierte „Hamburger Ausgabe“ der Werke von Siegfried Lenz. Band 23, so ist es bereits angekündigt, wird sich den „Rundfunkstücken“ widmen. Vor kurzem fand eine virtuelle Besprechung im Verlag statt, in der ich einen umfangreichen Editionsplan vorlegen konnte. Die Planungen des Verlags sehen vor, den mehrere Hundert Seiten starken Band „Rundfunkstücke“ im Herbst 2022 auf den Markt zu bringen, also rechtzeitig zum 100. Geburtstag des Rundfunks in Deutschland in 1923.

Es bleibt also noch etwas Zeit, an den sogenannten „Mediagraphien“ zu arbeiten – das sind Zusammenstellungen, die Informationen zur Entstehung, Produktion und Ausstrahlung einer Sendung festhalten. Diese Zusammenstellungen pro Rundfunkanstalt bilden die Grundlage für die Edition und den umfangreichen Kommentar. Auf diesem Weg wird es aber auch immer wieder Gelegenheit geben, einzelne neu entdeckte Arbeiten von Siegfried Lenz für den Rundfunk in den Medien öffentlich vorzustellen und damit Einblicke zu geben in Glossen, Rezensionen und Features, Hör- und Fernsehspiele, Interviews und Gespräche, die Lenz als Journalist führte – bis hin zu seinen Auftritten in Literatur-, Schulfunk-, Nachtprogramm-Sendungen.

Ein schönes Angebot kam in diesem Zusammenhang unlängst von Radio Bremen. Redakteur Holger Rink war von den Fundstücken in seinem Haus so angetan, dass wir zusammen in einer Gesprächssendung am Ostermontag 2021 ausloteten, was es für einen Schriftsteller heißt, für den Rundfunk zu schreiben. Den Mittelpunkt der Sendung bildete Lenz‘ in Vergessenheit geratenes Hörspiel aus dem Jahr 1954: „Ich suche meinen Namen“. Es ist die Geschichte eines Waisen- und Flüchtlingskindes, das sich von Bremen aus nach Masuren durchschlägt, um sich seiner Identität zu versichern – ein gesellschaftliches Thema also, das Lenz parallel zu seinen überaus heiteren Geschichten „So zärtlich war Suleyken“ ausarbeitete und ein Beispiel für die professionelle Medienarbeit von Siegfried Lenz.

Weiterführende Informationen unter:
leibniz-hbi.de/de/projekte/siegfried-lenz-der-schriftsteller-als-medienarbeiter

Lob der Zusammenarbeit

Günter Berg Vorstandsmitglied der
Siegfried Lenz Stiftung

Günter Berg

Günter Berg war langjähriger Verleger von Suhrkamp und Insel, danach zehn Jahre verlegerischer Geschäftsführer des Verlags Hoffmann und Campe. Er ist Vorstandsmitglied der Siegfried Lenz Stiftung und Herausgeber der Hamburger Ausgabe der Werke des Autors. 2013 gründete er in Hamburg eine Literaturagentur. Wir haben ihn – ergänzend zu den Ausführungen von Hans-Ulrich Wagner – um eine kurze Stellungnahme zum „Lenz-Projekt“ gebeten.

Die Anfänge der Siegfried Lenz Stiftung gehen noch auf den Autor selbst und die Initiative seiner Familie zurück. Zweck der Stiftung ist u.a. die sorgfältige Aufarbeitung seiner umfangreichen literarischen Arbeiten. Dass der NDR, dessen Autor Lenz von der ersten Stunde seines Schaffens war, gemeinsam mit dem Hans- Bredow-Institut das Ansinnen der Herausgeber der neuen Werkausgabe aufgegriffen hat, einen umfangreichen Band alleine den „Rundfunkstücken“ des Autors zu widmen, stellt sich nach den Recherchen von Hans-Ulrich Wagner als Glücksfall heraus. Nie zuvor wurde die Symbiose des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit seinen wichtigen Zuträgern derart fundiert aufgearbeitet. Die tatkräftige Zusammenarbeit von NDR, Hans-Bredow-Institut, dem Verlag Hoffmann und Campe mit der Lenz Stiftung kann als vorbildlich bezeichnet werden. Ohne die andauernden Impulse der Historischen Kommission der ARD und ihres Vorsitzenden jedoch stünden wir nicht da, wo wir ein Jahr vor Publikation dieses ganz besonderen Bandes der Hamburger Ausgabe der Werke stehen.

Weiterführende Informationen unter:
www.siegfriedlenz-stiftung.org/

Siegfried Lenz

„Neue Blicke durch alte Löcher“ – Kolumne

Für diese Kolumne haben wir uns das Prinzip der Wunderkammer zu eigen gemacht: Wir sammeln Seltenes und Kurioses, aus der Zeit Gefallenes sowie scheinbar Nebensächliches aus der Geschichte des Rundfunks und des Fernsehens, das allerdings seinen Unterhaltenswert aus großer Ernsthaftigkeit bezieht, mit dem es von unseren Autorinnen und Autoren untersucht wird. 

Töpferscheibe der Aufnahmetechnik: Der Bobby

Gerald Sammet Journalist und Schriftsteller

Gerald Sammet

Eigentlich handelt es sich beim Bobby um einen Gegenstand, der einen, ehe man sich versieht, auf Abwege schickt. Nicht unbedingt bis nach Wien, wo, an der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert, ein Graf Bobby umtriebig wurde. Gut möglich, dass der in der Rundfunktechnik gebräuchlich gewesene Bobby von genau diesem Grafen Bobby seinen Spitznamen hat. Allerdings: Spitz war an so einem durch und durch gerundeten Bobby eigentlich nichts, von den inneren Ecken abgesehen, die ihm Halt für die Drehungen verliehen. Die korrekte Fachbezeichnung Wickelkern freilich hat keinerlei Charme. Wahrscheinlich daran lag es, dass er sich als Bobby in der Art eines Wechselbalgs in unsere Herzen zu stehlen vermochte.

Sein eigentlicher Daseinszweck, den geordneten Lauf von Magnetbändern zu garantieren, führt noch einmal in die Zeit um das Jahr 1900 zurück. 1898 gelang dem dänischen Physiker Valdemar Poulsen im Auftrag der Kopenhagener Telefon-Gesellschaft die Konstruktion eines Geräts zur Aufzeichnung, Speicherung und Wiedergabe von Schallwellen mittels elektromagnetischer Induktion. Obwohl noch nicht die später so populären, von Bobbys geführten Magnetbänder zum Einsatz kamen, sondern simpler, auf Spulen gewickelter, von Führungsscheiben gesicherter Draht, sollte sich die Idee als bahnbrechend erweisen.

Der Aufstieg des Bobby in die Gesellschaft der Ton- und Datenträger begann um 1930 in den Vereinigten Staaten. 1935 legten die deutsche AEG und die Badische Anilin- und Sodafabrik mit der Produktion der ersten standardisierten Magnetbänder nach. Das Grundprinzip: mit magnetisierbarem Material beschichtete – anfangs Papierstreifen, später Zelluloid und zuletzt, als sich der Bobby ihrer bemächtigte – Kunststofffolien unterschiedlicher Länge und Breite. Der Nachteil, wenn auch vor allem aus heutiger Sicht: Zugriff auf die gespeicherten Informationen ließ sich nur sequenziell erreichen, im Abspielvorgang oder durch Vor- und Zurückspulen des Bands – mit einem Bobby als seinem der Tonaufzeichnung und Wiedergabe mechanisch an den Wickel gehenden Kern. Man könnte den Bobby auch eine Töpferscheibe der Aufnahmetechnik nennen. Meterware, ob Hörspiel oder Korrespondentenbericht, rein technisch besehen für jeden Fall.

Was den Bobby vom Spulenwesen unterscheidet, ist sein Hang zur Haltlosigkeit. Ihm fehlt der umklammernde Rand. Der Wickelkern steht einzig für sich. An ihm liegt das weniger. Viel mehr an der Tragkraft voluminöser Spulen, die auf die Unterseite der Bänder aufgetragen sind und eine verstärkende Wirkung ausüben. In Zweifelsfällen hält der Bobby solchen Lasten fast immer stand. Den Händen irgendwelcher Redakteurinnen und Redakteure allerdings ist nicht jedes korrekt gewickelte Magnetband gewachsen.

Wie jede Erfindung, man denke an den Setzkasten als Überbleibsel einer zum Verschwinden gelangten Zeitungsgeschichte, taugte auch der Bobby für Anwendungen, die ihm nicht zugedacht waren. Sein hohles Klirren in für seine Aufbewahrung genutzten Kartons mochte noch nutzlos erscheinen, hätte aber durchaus das Zeug für Überraschungsmomente in allerlei Hörstücken gehabt – von der Art, darf man annehmen, „Wenn Graf Bobby dreimal läutet“. Weitaus schwerer wog, als in Funkhäusern und sogar Schallarchiven noch geraucht werden durfte, seine Brauchbarkeit als Aschenbecher-Ersatz. Auch Stecknadeln und Büroklammern fanden im Bobby einen Verbündeten gemeinsamer metallischer Herkunft. Selbst die Einnahme kleiner Mahlzeiten aus einem mit der Unterseite nach oben gekehrten Bobby soll versucht worden sein. Mit mäßigem Erfolg, ist zu vermuten. Was der Tellerrand noch zu halten vermocht hätte, machte sich durch die mittige Drehöffnung auf den Redaktionsschreibtisch davon.

Genug ist, im Fall Bobby, genug. Schließlich verrichtet er, in aller ihm eingeschriebenen Ruhe, und dabei immer ein wenig verdreht, noch tausendfach in Archivbeständen seine Dienste. Eine Seele verflossener Symphonien, Orchesterstücke und Erzählungen, verborgen in meist rot geränderten, weißen oder pappbraunen, meist unverständlich etikettierten Kartons. Zeugen einer der natürlichen Entmagnetisierung preisgegebenen Körperlichkeit. Nur manchmal glaubt noch einer, aus den Fluren ein zu Herzen gehendes blechernes Klirren zu hören.

Gerald Sammet, geb. 1949, in Rehau (Oberfranken). Journalist und Verfasser zahlreicher Sachbücher zu Technik- und Industriegeschichte, Entdeckungsreisen und Kartografie. Bis 2014 Redakteur bei Radio Bremen.

Drei Studiotonbäder sind auf metallenen Kernen (genannt ‚Bobbys‘) aufgewickelt.

Berichte und Neuigkeiten aus der HiKo

Die Gremienvorsitzendenkonferenz der ARD (GVK) ist – vereinfacht gesprochen – das Aufsichtsgremium der ARD in Bezug auf gemeinschaftliche Tätigkeiten des föderalen Senderverbunds. Die GVK setzt sich zusammen aus den jeweiligen Vorsitzenden der Rundfunk- und Verwaltungsräte der neun Landesrundfunkanstalten sowie der Deutschen Welle. Die GVK berät die Konferenz der Intendantinnen und Intendanten der ARD, insbesondere bei grundsätzlichen Fragen der Programmgestaltung und -struktur, der Unternehmensstrategie und der Rundfunkpolitik. Die Historische Kommission der ARD, vertreten durch ihren Vorsitzenden Prof. Dr. Heinz Glässgen und ihren Geschäftsführer Stefan Wirtz (WDR), war eingeladen, in der GVK-Sitzung am 27. April 2021 über  Fortbildungsangebot der Historischen Kommission an Gremienmitglieder und Beschäftigte der Landesrundfunkanstalten zu informieren. Dazu hat uns die GVK eine kurze Würdigung übermittelt.

„Lawine losgetreten“
Die GVK nahm den Bericht von Herrn Prof. Glässgen und Herrn Wirtz mit großem Interesse zur Kenntnis und dankte der Kommission für ihr „wichtiges, ehrenamtliches Engagement“. Die GVK untermauerte die Relevanz der Kenntnisse über die Grundlagen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, insbesondere auch in rechtsgeschichtlicher Hinsicht. Dazu der GVK-Vorsitzende Andreas Meyer-Lauber: „Die historische Kenntnis von der Gründungsgeschichte und Entwicklung der ARD bis in die jüngere Vergangenheit ist ein sehr guter Ratgeber für die aktuellen Herausforderungen, denen sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk stellen muss.“ Mehrere Gremienvorsitzenden signalisierten, das Angebot der Historischen Kommission in Form von Informationsveranstaltungen in Anspruch nehmen zu wollen und empfahlen darüber hinaus mit Nachdruck die Integration des Schulungsangebots in allen Häusern. Die Personal- und Ausbildungsabteilungen sollten dafür Sorge tragen, dass neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, insbesondere Programmvolontärinnen und -volontäre mit den Grundlagen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vertraut gemacht werden. Nach überaus positiver Rückmeldung zur ersten Fortbildungs-Veranstaltung der HiKo bei den SWR-Gremien habe man bei den Rundfunkräten, gerade angesichts einer Reihe bevorstehender Neukonstituierungen, eine Lawine von künftigen Anfragen losgetreten, so Meyer-Lauber.

Im Dezember 2020 wurde von der Historischen Kommission die im Auftrag der ARD erarbeitete Broschüre „Warum öffentlich-rechtlich?“ den Intendantinnen und Intendanten und den Gremienvorsitzenden der ARD sowie dem Intendanten des ZDF vorgelegt. Die Broschüre bildet die Grundlage für Informationsveranstaltungen insbesondere für neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie neue Mitglieder in den Aufsichtsgremien zu den Grundlagen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und seinem bis heute geltenden Auftrag. Dr. Thomas Bellut, Intendant des ZDF, betont in seiner Antwort auf die Zusendung der Broschüre durch den Vorsitzenden der HiKo die Bedeutung der Initiative der Historischen Kommission der ARD.

Dr. Thomas Bellut ZDF-Intendant

„Die Grundlagen des eigenen Handelns“

„Vielen Dank für die Übersendung der interessanten Broschüren zu Geschichte, Grundlagen und Perspektiven des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Aufgrund der Schnelllebigkeit unserer Zeit geraten die Grundlagen des eigenen Handelns manchmal zu weit in den Hintergrund der Aufmerksamkeit. Daher erfüllt die Historische Kommission der ARD zweifellos einen wichtigen Auftrag, wenn sie sich dafür einsetzt, der Öffentlichkeit die Entstehung, den Funktionsauftrag und die Bedeutung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nahezubringen. Das ZDF ist nicht zuletzt deshalb seit vielen Jahren Gast in dieser Kommission.“

Kommentierte Linkliste

Jürgen Betz Mitglied der
Historischen Kommission der ARD

Jürgen Betz, bis 2017 Justitiar des Hessischen Rundfunks, hat wieder eine kleine Linkliste zusammengestellt. Zu seinen Schwerpunkten zählten und zählen weiterhin Rundfunkverfassungs- und Medienrecht, Medienpolitik und Telekommunikationsrecht. Er vertritt den hr in der Historischen Kommission der ARD. 

Ein TV-Klassiker: Die ARD-Sportschau wird 60
Die Sportschau, die am 4. Juni 1961 erstmals über die Bildschirme ging, ist legendär, ein TV-Mythos, die Mutter aller Sportsendungen im deutschen Fernsehen. „Mister Sportschau“ Ernst Huberty moderierte die Premierensendung, damals noch an einem Sonntag mit jeder Menge Frauenhandball und Pferdesport, Radrennen, Rudern und Rhönrad-Turnen – und ganz ohne Fußball. Erst mit Gründung der Fußball-Bundesliga 1963 und dem neuen Sendetermin am Samstag wurde die Sportschau Kult. Den bleibenden Erfolg beim Publikum erklärte Mitbegründer Addi Furler später so: „Die Sportschau war wie die Tagesschau: sachlich, seriös und schnell am Ball.“
www.ardaudiothek.de/der-stichtag-die-chronik-der-ard/4-6-1961-erste-sportschau-in-der-ard/89888708
www.ardmediathek.de/video/aktuelle-stunde/so-war-s-60-jahre-sportschau/wdr-fernsehen

Die drei „Sportschau“-Urgesteine: Dieter Adler, Ernst Huberty, Addi Furler.

Kulenkampff zum 100. Geburtstag
Als er 1998 starb, adelte ihn der SPIEGEL zum „Mozart des Plaudertons“. Für mehr als zwei Jahrzehnte war Hans-Joachim Kulenkampff  unumstrittener König der Unterhaltungsbranche und schrieb als Showmaster Fernsehgeschichte. Am 21. April wäre der gebürtige Bremer einhundert Jahre alt geworden. An den Filmschauspieler, Fernsehmoderator und Quizmaster, liebevoll von allen bloß „Kuli“ gerufen, erinnerten zahlreiche Beiträge im Fernsehen, dem Rundfunk und in den Printmedien:
www.butenunbinnen.de/nachrichten/gesellschaft/geburtstag-hans-joachim-kulenkampff-100.html
www.deutschlandfunk.de/100-geburtstag-von-hans-joachim-kulenkampff-meister-der.871.de.html?dram:article_id=496246
www.fr.de/kultur/tv-kino/showmaster-kulenkampff-der-zivilist-90476031.html

Nachrichten rund um die Uhr – 30 Jahre B5 aktuell
Als erstes deutschsprachiges Informationsradio ging die Informationswelle des Bayerischen Rundfunks vor dreißig Jahren, am 6. Mai 1991, auf Sendung. Seitdem berichtet B5 an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr aus dem Münchner Funkhaus. Wolfgang Aigner, von 1991 bis 2004 Wellenchef, hatte die an CNN angelehnte Idee als Hörfunkkorrespondent der ARD aus den USA seinerzeit nach Deutschland mitgebracht. 
www.br.de/nachrichten/bayern/30-jahre-b5-aktuell-news-und-infos-rund-um-die-uhr,SWL24GD
Auch die Süddeutsche Zeitung würdigte das Jubiläum:
www.sueddeutsche.de/medien/b5-aktuell-radio-nachrichtensender-1.5285497

Unbequem und unbestechlich: „Panorama“ wird 60
 Am 10. Juni zeigt der NDR ab 21.45 Uhr eine ganz besondere Ausgabe des Fernsehmagazins „Panorama“: die Premierensendung, die am 4.Juni 1961über die Bildschirme ging. Fortan sorgte das erste politische Magazin im deutschen Fernsehen immer wieder für Gesprächsstoff, wozu auch eine legendär gewordene Moderation seines Gründungsvaters Gert von Paczensky beigetragen haben mag, die durchaus programmatisch verstanden werden konnte: „Nun wollen wir uns noch ein wenig mit der Bundesregierung anlegen“.
www.dwdl.de/nachrichten/82581/panorama_wird_60_jubilaeumssendung_im_juni/

100 Stunden Berlin-Geschichte: Eine Chronik im rbb 
Weltstadt und Kiez, Weltpolitik und Alltag, Schauplatz großer und kleiner Geschichten: aus den ungezählten Sendungen des Senders Freies Berlin (SFB) und des DDR-Fernsehens aus und über die Stadt hat der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) die Geschichte Berlins in einer TV-Chronik der Superlative komponiert. Die neue Staffel, die vom 14. August an im rbb ausgestrahlt wird, behandelt die Zeitspanne von 1945 bis 1960: es ist die Zeit zwischen heißem und kaltem Krieg, zwischen Trümmerbeseitigung und Wirtschaftswunder, aber auch die Zeit, in der Berlin in zwei Teile mit unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Systemen zerfiel. Im Anschluss an die neuen Folgen wiederholt der rbb alle Episoden von 1961 bis 2010, bevor dann im Herbst 2022 eine weitere neue Staffel über die Jahre von 2011 bis 2020 die Reihe komplettiert. Am Ende ergeben 64 Folgen zu 90 Minuten 5760 Fernsehminuten oder fast 100 Stunden Berlin-Geschichte.
www.rbb-online.de/berlin-schicksalsjahre/

„Lecker Mittagsessen“: Als Hape Beatrix war  
Eine von Hape Kerkelings Paraderollen ist die holländische Königin Beatrix. In perfekter Verkleidung und in einer Staatslimousine schaffte es der Comedian gar bis vors Schloss Bellevue, dem Sitz des deutschen Bundespräsidenten. Doch dann flog die Maskerade auf. Die Aktion, vor dreißig Jahren am 21. April 1991 in Szene gesetzt, schrieb Fernsehgeschichte:
www.zdf.de/nachrichten/hallo-deutschland/kerkeling-als-beatrix-in-bellevue-100.html
www.berliner-zeitung.de/kultur-vergnuegen/tv-medien/ein-stueck-tv-geschichte-als-hape-kerkeling-koenigin-beatrix-war-li.154815

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