Fernsehkameras in einem Fernsehstudio. | Bildquelle: WDR

Chronik der HiKo

Die HiKo: Gründung – Neukonstituierung – Wiederbelebung(en)  

Die Geschichte der Historischen Kommission der ARD durchlief verschiedene Perioden, von der Gründung 1953, ihrer Neukonstituierung 1962 vor 60 Jahren, bis zur Wiederbelebung 1986. Von Beginn an gehörte es zu den Aufgaben der HiKo, sich mit der Rundfunkgeschichte zu befassen, die audiovisuellen, aber vor allem die schriftlichen Quellen zur sichern, den archivfachlichen Austausch zu fördern sowie rundfunk-historische Forschungen und Publikationen zu unterstützen bzw. zu beauftragen.

Seit 1994 führt die Hiko mit verschiedenen Kooperationspartnern zudem in regelmäßigen Abständen rundfunkgeschichtliche Fachtagungen durch.
Unter dem Vorsitz von Heinz Glässgen von 2011 bis 2021 wurde das Thema Medienpolitik verstärkt in den Fokus genommen, der Auftrag und die Geschichte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Publikationen und Symposien erörtert, die Interviews mit Zeitzeugen und Zeitzeuginnen wieder belebt, schließlich eine neue Onlinepräsenz und dieser Newsletter umgesetzt.


1953 bis 1959: Die Anfänge

Die Anregung, sich mit der Geschichte des Rundfunks zu befassen und dazu einen Stab von Rundfunkhistorikern einzuberufen, kam im Mai 1953 von Rudolf von Scholtz, dem ersten Nachkriegsintendanten des Bayerischen Rundfunks. Am 11. Juni 1953 nahmen die Intendanten der ARD den Vorschlag mit der Gründung einer „Historischen Kommission des deutschen Rundfunks“ an.

Rudolf von Scholtz. | Bildquelle: Foto: BR/Fred Lindinger
Rudolf von Scholtz (1890-1956) war von 1949 bis 1956 Intendant des Bayerischen Rundfunks, um 1953 | Bildquelle: Foto: BR/Fred Lindinger

Den ersten Vorsitz übernahm im Januar 1954 Kurt Magnus, neben Hans Bredow eine der wichtigsten Führungsfiguren des Rundfunks in der Weimarer Republik, von 1925 bis 1933 einer der beiden Geschäftsführer der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft (RRG), 1948 Vorsitzender des Rundfunkrats, ab 1953 Vorsitzender des Verwaltungsrats des Hessischen Rundfunks.     

Kommissionsmitglieder waren ehemalige einflussreiche Mitarbeiter des Weimarer Rundfunks:  Viktor Schwarz (BR), Eugen Kurt Fischer (HR, Geschäftsführer), Gottfried Lange (NDR), Rudolf Dumont du Voitel (Radio Bremen), Herbert Antoine (SFB), Karl Mayer (SDR), Herbert Bahlinger (SWF), Bernhard Ernst (WDR), Helmut Graf (NWRV-Fernsehen, Nordwestdeutscher Rundfunkverband), Hans-Joachim Weinbrenner (Lautarchiv des Deutschen Rundfunks). 1954 und 1955 fanden mehrere Sitzungen statt, in denen „ein Arbeitsplan konzipiert“ wurde. Aber ab 1956 ruhte die Kommissionsarbeit bereits wieder. Kurt Magnus zog sich 1959 schließlich von der Leitung des Gremiums zurück. Noch am 3. Dezember 1958 hatte er für die ARD-Intendanten einen zusammenfassenden Bericht über die ersten Aktivitäten, Aufgaben und den Etat der Kommission verfasst: „Wichtigste Aufgabe sei, Material, das für die Geschichtsschreibung wichtig ist, sicherzustellen und nach einem bestimmten System zu ordnen“.

Kurt Magnus. | Bildquelle: BR
Kurt Magnus (1887-1962), Vorsitzender des Verwaltungsrats des Hessischen Rundfunks und von 1954 bis 1959 Vorsitzender der Historischen Kommission der ARD, ca. 1957 | Bildquelle: BR, Historisches Archiv
Auszug aus dem Bericht von Kurt Magnus vom 3. Februar 1958. | Bildquelle: BR
Auszug aus dem Bericht von Kurt Magnus vom 3. Februar 1958. | Bildquelle: BR

Bericht von Kurt Magnus (PDF)


1962 bis 1972: Die Neukonstituierung

Erst nach drei Jahren, 1962, kam es unter dem Einsatz des neu gewählten ARD-Vorsitzenden und Intendanten des Süddeutschen Rundfunks, Hans Bausch, zu einer Wiederbelebung und Neukonstituierung der Kommission. Bausch war selbst Rundfunkhistoriker, hatte 1956 mit einer Arbeit über den „Rundfunk im politischen Kräftespiel der Weimarer Republik“ promoviert. Vor 60 Jahren – am 2. Oktober 1962 –  fand die erste Sitzung in ihrer neuen Zusammensetzung in Stuttgart statt. Der Name lautete fortan „Historische Kommission der ARD“. Zum Geschäftsführer wurde der Vorstand des Deutschen Lautarchivs (heute Deutsches Rundfunkarchiv), Hans-Joachim Weinbrenner, ernannt. Die Geschäftsstelle wurde als Referat in das „Archiv des Deutschen Rundfunks“ eingegliedert.
Mitglieder waren jetzt verstärkt auch Mitarbeiter aus Pressestellen, welche die Schriftgutsammlungen betreuten: Otto Pfauntsch (BR), Helmut Gegenwart (HR), Gerd Krollpfeiffer, (NDR), Lutz Besch (Radio Bremen), Klaus Altmeyer (SR), Herbert Antoine (SFB), Kurt Haase (SDR), Matthias Schrecklinger (SWF), Franz B. Zons (WDR), Heinz Merkelbach (Deutsche Welle), Kurt Wagenführ (Deutschlandfunk), Eugen Kurt Fischer (Geschäftsführer), Hans-Joachim Weinbrenner (Lautarchiv).

dpa-Meldung zur konstituierenden Sitzung. | Bildquelle: BR
dpa-Meldung zur konstituierenden Sitzung. | Bildquelle: BR

Laut Satzung und Sitzungsprotokoll der Historischen Kommission vom Januar 1963 gehörte zu den Aufgaben der Kommission die „Erfassung, Sicherstellung und Registrierung von rundfunkgeschichtlich bedeutsamen Tatsachen und Dokumenten“.  
Zudem wurde jeder Rundfunkanstalt „empfohlen, ein historisches Archiv einzu-richten, bei dem das geschichtlich wertvolle Schriftgut gesammelt und registriert wird.“

Sitzungsprotokoll vom 2.10.1962 und dpa-Meldung (PDF)

Hans Bausch. | Bildqelle: SDR/Hugo Jehle
Hans Bausch (1921-1991), Intendant des Süddeutschen Rundfunks (SDR) von 1958 bis 1989 und von 1962 bis 1991 Vorsitzender der Historischen Kommission der ARD, 1973 | Bildquelle: SDR/Hugo Jehle

Aus der Kommissionsarbeit der 1960er Jahre entstanden u.a. eine Zusammenstellung der Rundfunkpreise, ein Nachweisverzeichnis von Rundfunk-zeitschriften sowie die rundfunkgeschichtliche Buchreihe „Beiträge zur Geschichte des deutschen Rundfunks“ mit vier Bänden, darunter der Klassiker von Winfried B. Lerg „Die Entstehung des Rundfunks in Deutschland“. Mitten in den Vorbereitungen zum 50. Jubiläum des Rundfunks 1973 wurde die Historische Kommission im Zuge einer ARD-Strukturreform und „Flurbereinigung der Kommissionslandschaft“ 1972 aufgelöst. SDR-Intendant Hans Bausch wurde aber die persönliche Federführung für Rundfunkgeschichte übertragen. Zusammen mit einem kleinen Arbeitsstab „Historisches Archiv der ARD“ beim Deutschen Rundfunkarchiv brachte Bausch 1980 das fünfbändige Standardwerk „Rundfunk in Deutschland“, über die Jahre 1923 bis 1980, heraus.

1986 bis 2021: Wiederbelebung und Neuausrichtung

Am 12. Februar 1986 kam es durch einen Intendantenbeschluss zu einer Wiederbelebung der Historischen Kommission unter dem Vorsitz von Hans Bausch. Die konstituierende Sitzung fand am 10. Juli 1986 in Stuttgart statt. Für diese Sitzung wurde innerhalb der ARD-Rundfunkanstalten, im RIAS und im DRA eine Bestandsaufnahme durchgeführt über den Stand der Dokumentation und Forschung der jeweiligen Sendergeschichte sowie über den Stand der Quellensicherung und -archivierung. In seinem Einladungsschreiben an die „Mitglieder der neu zu gründenden Historischen Kommission der ARD“ vom 20. Mai 1986 schrieb Hans Bausch:
„Es geht nicht darum, noch eine Kommission zu installieren. Mein Ziel ist es vielmehr, die historische Forschung, Dokumentation und Geschichtsschreibung des öffentlich-rechtlichen föderativen Rundfunksystems in der Bundesrepublik Deutschland auf eine neue Grundlage zu stellen und mich selbst damit überflüssig zu machen, wie
einst Hugh Carleton Greene sein Amt als britischer Generaldirektor des NWDR gesehen hat.“

Die Geschäftsführung lag nun für einige Jahre beim Süddeutschen Rundfunk, bei Ulf Scharlau und Edgar Lersch. In den 1980er Jahren gab es Kooperationen mit dem Sonderforschungsbereich „Bildschirmmedien“ in Siegen oder der Akademie der Künste in Berlin bezüglich des Projekts „Deutsche Mediathek. Auf den jährlich stattfindenden Sitzungen sprach die Kommission Empfehlungen für die Intendantenkonferenzen aus, zum Beispiel 1990, Historische Archive bei den Rundfunkanstalten einzurichten, weil nur durch die schriftliche Überlieferung das Programmvermögen sachgerecht bewertet und eingeordnet werden könne.

Beschluss Beschluss auf der Sitzung der Historischen Kommission am 16.11.1990. | Bildquelle: BR

Beschluss auf der Sitzung der Historischen Kommission am 16.11.1990,
BR Historisches Archiv, SL/45.3
Dietrich Schwarzkopf. | Bildquelle: dpa/Frank Leonhardt
Dietrich Schwarzkopf (1927-2020), von 1974 an zuerst Fernsehdirektor, dann stellvertretender Intendant des NDR, von 1978 bis 1991 Fernseh-programmdirektor der ARD, von 1991 bis 1994 Vizepräsident ARTE
Foto: dpa / Frank Leonhardt

Nach dem überraschenden Tod von Hans Bausch 1991 wurde der ehemalige ARD-Programmdirektor Dietrich Schwarzkopf durch Intendantenbeschluss vom 12. Februar 1992 Vorsitzender. Er blieb es bis 2010. In seinem Tätigkeitsbericht vom Januar 1996 fasste Dietrich Schwarzkopf die Aufgaben der Kommission zusammen.

Tätigkeitsbericht 1996 (PDF)

In seiner Zeit gab es verschiedene Fachtagungen, u.a. Kooperationen mit dem Haus des Dokumentarfilms, der Historischen Kommission des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, dem Deutschen Literaturarchiv Marbach, dem Studienkreis Rundfunk und Geschichte oder dem Hans-Bredow-Institut. 2000 wurde das Symposium zum 50jährigen Jubiläum der ARD in Berlin veranstaltet, 2002 eins in Hamburg zu „50 Jahre Tagesschau“ oder 2005 ein Symposium in Köln zur Geschichte der Leichten Musik. 2008 richtete die HiKo gemeinsam mit der Berliner Akademie der Künste und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels eine Tagung über „Rundfunk und Buch: Die Wendezeit und ihre Folgen“ aus, an der auch Literaturnobelpreisträger Günter Grass als Ehrengast teilnahm. Ebenso entstanden mit Unterstützung der Historischen Kommission zwei große Publikationen, mit Dietrich Schwarzkopf als Herausgeber: zum einen 1999 die Fortsetzung der dtv-Taschenbuchreihe um zwei Bände „Rundfunkpolitik in Deutschland 1980 bis 1995“ sowie 2008 die Studie „Die Ideologiepolizei“ über die rundfunkbezogenen Aktivitäten des Ministeriums für Staatssicherheit der ehemaligen DDR in der DDR sowie in der Bundesrepublik Deutschland.

Die Kommission tagte in dieser Zeit einmal jährlich im Herbst / Winter, später zweimal jährlich im Frühjahr und Herbst. Zuletzt stand die Historische Kommission von 2011 bis 2021 unter dem Vorsitz von Heinz Glässgen, dem ehemaligen Intendanten von Radio Bremen. Die Aktivitäten und Projekte dieser Zeit finden sich auf der Webseite der HiKo.

Bettina Hasselbring, BR, Historisches Archiv

Weitere Infos:

  • Andreas Dan, Exkurs: Die Historische Kommission der ARD. in: Markus Behmer, Birgit Bernard, Bettina Hasselbring (Hrsg.), Das Gedächtnis des Rundfunks, Die Archive der öffentlich-rechtlichen Sender und ihre Bedeutung für die Forschung, Wiesbaden 2014
  • Edgar Lersch, Verspätete Datensicherung. Der Beitrag der Historischen Kommission der ARD zur Entstehung und Entwicklung der „Historischen Archiv“ der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, in: Rundfunk und Geschichte, 34. Jg., Nr. 1, 2008, S. 18-25
  • Edgar Lersch, Die historische Kommission der ARD und die Entstehung und Entwicklung der „Historischen Archive“ der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, in: Archiv-mitteilungen 5/1991, S- 202-207