Über 100 Jahre Hörspiel im Spiegel des DRA-Onlineauftritts
Am 24. Oktober 1924, nur ein Jahr nach der ersten Radiosendung aus dem Vox-Haus in Berlin, wurde mit „Zauberei auf dem Sender“ das erste in Deutschland verfasste Hörspiel aufgeführt. Als praktisches Geschenk zum Jubiläum „100 Jahre Hörspiel“ hat das Deutsche Rundfunkarchiv (DRA) seine Hörspieldatenbank grundrenoviert.
Seit 2014 dokumentiert das Webangebot eine stetig wachsende Zahl von Sendenachweisen aus der Geschichte des Hörspiels und macht sie Interessierten für die Eigenrecherche zugänglich. Die digitale Archivanwendung ist jetzt technisch wie gestalterisch an den DRA-Onlineauftritt angepasst. Ihre Funktionalitäten wurden dabei beibehalten, optimiert und sogar erweitert.

So macht die neue Hörspieldatenbank über hoerspiele.dra.de nun sowohl Hörspielmetadaten als auch Mediendateien aus DRA- und ARD-Beständen online recherchier- und nutzbar, sofern diese rechtlich und technisch frei verfügbar sind. Die Startseite bietet eine „Schnellsuche“ für den zielgerichteten Einstieg, eine textliche Einführung in die prägenden Hörspiel-Epochen sowie News oder thematische Schwerpunkte. Alle Zugänge führen zusätzlich über kuratierte Trefferlisten direkt in die Datenbank. Insgesamt sind aktuell rund 70.000 Sendenachweise erschlossen. Suchmaske, Trefferlisten und Detailansichten erscheinen in responsivem Design und sind umfänglich auf allen Endgeräten nutzbar. Mit diesen Neuerungen hat das DRA den Freunden des Hörspiels auch einen lang und innig gehegten Wunsch erfüllt: Frei verfügbare Hörspiele können nun gezielt gesucht und – vernetzt mit der ARD Audiothek – als Audiostream direkt angehört werden.
Zeitgleich wurde auch die Website www.dra.de mit neuen Funktionen aufgewertet. Dort steht jetzt eine ausführliche Suchmaske zur Verfügung, mit der sich u. a. gezielt Themenbereiche durchsuchen lassen, sowie ein PDF-Viewer, der es ermöglicht, in Textdokumenten differenziert zu recherchieren.
Mit den erweiterten Anwendungsmöglichkeiten für Hörspieldatenbank und Website bietet das DRA seinen Nutzerinnen und Nutzern einen zeitgemäßen digitalen Zugang, der vor allem die eigenen Kernbestände anschaulich illustriert. Die Plattform ist zunehmend gefragt: 2024 wurden rund zwei Millionen Seitenaufrufe erreicht.
Ein Streifzug durch 100 Jahre Hörspielgeschichte

Begleitend zum Relaunch der Hörspieldatenbank wurde ein umfangreiches Dossier zur Geschichte des Hörspiels erstellt. Darin werden ausgewählte Hörspiele aus DRA-Beständen und aufschlussreiches Zusatzmaterial aus Produktion und Rezeption präsentiert. Die Beiträge zeichnen die historische Entwicklung dieser Kunstform kursorisch nach und machen gleichzeitig die Vielfalt der Hörspielbestände im DRA für die Öffentlichkeit sichtbar.
Das Dossier beleuchtet in einer Einführung zentrale Epochen der deutschen Hörspielgeschichte: Die experimentellen Anfänge in der Weimarer Republik, die propagandistische Nutzung während der NS-Zeit sowie schließlich die Hörspielproduktion in der DDR im Spannungsfeld von staatlich ideologischer Beeinflussung, fein dosierter Kritik und vorsichtigem Protest. Die exemplarisch vorgestellten Werke wie „Zauberei auf dem Sender“ von Hans Flesch oder „Der Mann Andreas Seiler“ von Werner Bräunig zeigen die Bandbreite des Genres und verdeutlichen seine künstlerische sowie gesellschaftliche Relevanz. Multimedialität und Vernetzbarkeit kennzeichnen die DRA-Bestände: Neben den Tondokumenten sind auch Bild- und Schriftquellen wie Programmzeitschriften, Sendungsprotokolle, Korrespondenzen oder Rezensionen überliefert. Soweit es die rechtlichen Rahmenbedingungen zulassen, wurden daher neben Hörzitaten und Audioausschnitten auch historische Dokumente in das Dossier eingebunden, darunter Artikel aus der Programmzeitschrift „Der Deutsche Rundfunk“, Hörspielmanuskripte sowie Fotografien. Durch die Kombination verschiedener Medien entsteht ein vielschichtiges Bild der Hörspielgeschichte. Damit unterstreicht das DRA seine Rolle als zentrale Dokumentations- und Vermittlungsstelle für Rundfunkgeschichte.

„Zauberei auf dem Sender“
Am 24. Oktober 1924 übertrug der in Frankfurt ansässige Rundfunksender SÜWRAG eine „Senderspiel-Groteske“, in der die Möglichkeiten des damals noch jungen Mediums Radio ad absurdum geführt wurden: „Der Sender ist verrückt“, war daraufhin in der „Radio-Umschau“ zu lesen. Hans Flesch, künstlerischer Leiter des Frankfurter Senders und gleichzeitig Autor des Werkes, versuchte mit diesem Stück eine akustische Kunstform zu etablieren, die es so nur im Radio geben konnte: „Zauberei auf dem Sender“ gilt heute als erstes Hörspiel der deutschen Rundfunkgeschichte. Ein Beitrag von Dr. Ulrike Schlieper-Müller (DRA) führt zurück zu den experimentellen Anfängen des seinerzeit innovativen Rundfunkformats.
Teaserbild: Deutsches Rundfunkarchiv in Potsdam-Babelsberg.
(Bildquelle: Deutsches Rundfunkarchiv)